Die deutschen größten Carsharing-Anbieter setzen zunehmend auf Elektro-Autos

21 April 2020

Die Themen Umweltschutz und nachhaltiges Leben haben nicht zuletzt durch die "Fridays for Future"-Bewegung bei vielen Menschen enorm an Stellenwert gewonnen. Und auch die aktuelle Corona-Krise sorgt dafür, dass vielen immer mehr bewusst wird, dass es so wie bisher nicht mehr lange weiter gehen kann.

Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Nachfragen nach Carsharing-Angeboten und Elektromobilität immer mehr werden. Ein wichtiger Schritt in diesem Kontext ist, dass die großen Carsharing-Anbieter erkannt haben, dass sie, um ihre Philosophie möglichst konsequent an die Kunden zu bringen, immer mehr Elektro-Autos in ihrer Flotte aufnehmen und entsprechende Infrastrukturen dafür schaffen müssen.

Ein Viertel aller Autos bei SHARE NOW sind Stromer

Der größte deutsche Carsharing-Anbieter in Deutschland ist die Firma SHARE NOW, die aus dem Zusammenschluss der beiden Unternehmen car2go und DriveNow hervorgegangen ist.

Hinter diesen beiden Firmen wiederum verbergen sich die beiden Autokonzerne Daimler und BMW. Bei dem Zusammenschluss von SHARE NOW handelt es sich daher um ein bemerkenswertes Joint-Venture, das zwei große Konkurrenten, die ansonsten eigenständig um Marktanteile kämpfen, vereint.

Durch den Zusammenschluss besitzt SHARE NOW inzwischen mehr als drei Millionen registrierte Nutzer - dies allerdings nicht nur in Deutschland, sondern europaweit. Schon im April 2019 wurde angekündigt, dass SHARE NOW seinen Anteil an Stromern bis zum Jahresende auf ein Viertel ausbauen möchte. Und wie aus verschiedenen Medienberichten zu erfahren war, ist dies auch gelungen. Alleine in München wurde die BMW-i3-Flotte von 85 auf 200 Fahrzeuge aufgestockt. Derzeit rollen auf deutschen Straßen mehr als 7.200 Autos, die von SHARE NOW betrieben werden. Bei mehr als 1.800 Fahrzeugen handelt es sich um ein Elektro-Auto.

Flinkster baut Elektro-Flotte stetig aus

Auf Platz zwei der größten deutschen Carsharing-Anbieter rangiert Flinkster, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bahn. Flinkster besitzt nach Auskunft des Statistikportals Statista aktuell rund 315.000 registrierte Nutzer.

Die Autos werden aber nicht alle direkt von der Bahntochter betrieben, sondern es handelt sich um ein großes Netzwerk verschiedener Anbieter, die zumeist einen lokalen Markt abdecken. In der Autoflotte, die von Flinkster organisiert wird, befinden sich inzwischen auch mehr als 600 Elektro-Autos, die sich in an vielen Standorten buchen lassen können. Wie es von dem Unternehmen heißt, sollen in Zukunft noch mehr dazukommen.

Noch keine Elektro-Autos bei Miles

Der drittgrößte Anbieter im deutschen Carsharing-Bereich ist die Firma Miles. Statista zufolge nutzen inzwischen mehr als 100.000 Kunden das Angebot dieses Anbieters. Im Gegensatz zu den beiden großen Konkurrenten, gibt es in der Flotte bislang aber noch keine Elektro-Autos.

Anders bei Miles ist allerdings, dass hinter dem Unternehmen kein großer Konzern steckt, es sich sondern vielmehr um ein Berliner Start-Up handelt. Auch wenn das Thema Elektromobilität bei Miles durchaus schon seit längerem diskutiert wird, hat das Unternehmen gerade andere Probleme. Mit Ausbruch der Corona-Krise sind der Firma große Teile des Umsatzes weggebrochen, sodass es dort tatsächlich zurzeit vorrangig um das eigene Überleben geht.

Erste Elektro-Autos waren bei Cambio schon 2011 unterwegs

Die Nummer vier im deutschen Carsharing-Markt ist die Unternehmensgruppe Cambio, welche zu den Pionieren in diesem Segment gehört. Die Gründung von Cambio geht auf die Umweltbewegung aus den 1980er- und 1990er-Jahren zurück, und gestartet wurde bereits im Jahr 2000. Ohne Zweifel lässt sich über die Gründungsmütter und -väter sagen, dass hier Idealisten ihre Vision erfolgreich umgesetzt haben.

Heute ist Cambio neben Deutschland auch auf dem belgischen Markt tätig. Derzeit werden die verschiedenen Cambio-Fahrzeuge von mehr als 84.000 Mitgliedern genutzt. Erste Versuche mit Elektroautos wurden bei dem Anbieter bereits 2011 gemacht. Heute gibt es sie an verschiedenen aber noch nicht an allen Standorten. In den vergangenen Jahren wurden die Lücken aber nach und nach geschlossen, und auch in Zukunft soll sich dieser Trend in der Gruppe fortsetzen. Aber auch bei Cambio geht es leider derzeit darum, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise zu schultern.

Angebot an Elektroautos wird ausgebaut

Mit rund 63.000 Nutzern belegt das Unternehmen Stadtmobil den fünften Platz unter den größten deutschen Carsharing-Anbietern. Genau wie Cambio ist Stadtmobil Carsharing ein Verbund aus mehreren kleineren Anbietern, die an rund 1.000 Stationen in mehr als 100 deutschen Städten vertreten sind. Seit 2018 wird bei Stadtmobil das Angebot an Elektroautos kontinuierlich ausgebaut, allerdings lässt sich auch bei diesem Anbieter noch nicht überall ein solches buchen. Dort, wo es die Autos gibt, können Kunden aktuell auswählen, ob sie mit einem Smart forfour ed oder lieber mit dem Renault Zoe Life unterwegs sein möchten.