Kia EV3 oder Škoda Elroq – Reichweite gegen Ladetempo
04. September 2026
Zwei kompakte Elektro-SUVs, fast derselbe Preis, dieselbe Zielgruppe – und zwei entgegengesetzte Antworten auf die Frage, wo man beim Elektroauto Kompromisse macht. Der Kia EV3 fährt deutlich weiter, lädt dafür langsamer. Beim Škoda Elroq ist es genau umgekehrt.
Warum sich die beiden so ähnlich sehen und so unterschiedlich fahren
Der EV3 startet bei 35.990 Euro, der Elroq bei 37.890 Euro. Beide sind kompakte E-SUVs um 4,50 Meter, beide zielen auf Familien, die ein Zweitauto ersetzen oder erstmals elektrisch fahren wollen.
Unter dem Blech trennt sie mehr, als der Klassenvergleich vermuten lässt: Der Kia treibt vorn an, der Škoda hinten. Das ist keine Marketing-Nuance, sondern eine Grundsatzentscheidung, die sich auf Traktion, Wendekreis und Fahrgefühl auswirkt.
Was wir vergleichen
Herstellerangaben, Stand September 2026. Beim Elroq beziehen sich die Werte auf die Varianten 60 und 85, beim EV3 auf Standard- und Langstreckenbatterie.
1. Reichweite: 605 gegen 576 Kilometer
Der EV3 holt mit der 81,4-kWh-Batterie bis zu 605 Kilometer nach WLTP. Der Elroq 85 kommt mit 77 kWh netto auf 523 bis 576 Kilometer, die Allradversion 85x auf 524 bis 576.
Der Vorsprung des Kia ist real, aber kleiner, als die Spitzenwerte suggerieren: Er entsteht zum Teil aus einer größeren Batterie und zum Teil aus dem sparsameren Verbrauch von 14,9 bis 16,2 kWh je 100 Kilometer. Der Elroq liegt bei 16,1 bis 17,4.
Wer die kleineren Varianten vergleicht, landet näher beieinander: Der EV3 mit 58,3 kWh schafft gut 400 Kilometer, der Elroq 60 mit 59 kWh netto zwischen 408 und 453.
2. Laden: hier dreht sich das Verhältnis um
Der Elroq lädt mit bis zu 175 kW an der Gleichstromsäule. Der EV3 braucht für sein Maximum eine Säule mit mindestens 128 kW und schafft damit 10 bis 80 Prozent in rund 31 Minuten.
Das ist der eigentliche Kompromiss zwischen den beiden. Auf der Langstrecke gleicht sich der Reichweitenvorteil des Kia teilweise wieder aus, weil der Škoda die Pause kürzer hält. Für den Alltag mit Laden zu Hause ist die Ladeleistung dagegen bedeutungslos – dort zählt nur, wie weit man mit einer Nachtladung kommt, und da liegt der EV3 vorn.
3. Antrieb: vorn gegen hinten
Der EV3 ist ein Fronttriebler mit 150 kW (204 PS). Allrad gibt es nur in der GT-Version mit 215 kW (292 PS).
Der Elroq treibt hinten an: 140 kW in der 60er, 210 kW in der 85er. Die 85x hat mit 220 kW Allrad.
In der Praxis heißt das: Der Škoda fährt sich beim Beschleunigen aus der Kurve neutraler, der Kia neigt bei nasser Fahrbahn und viel Gas eher zum Scharren der Vorderräder. Wer regelmäßig einen Anhänger zieht oder im Winter am Berg wohnt, ist mit dem Heckantrieb oder gleich mit Allrad besser bedient.
4. Garantie: sieben Jahre gegen zwei
Hier ist der Unterschied am größten, und er wird beim Vergleich am häufigsten übersehen.
Kia gibt sieben Jahre Herstellergarantie bis 150.000 Kilometer – serienmäßig, ohne Aufpreis. Škoda gibt zwei Jahre; eine Verlängerung auf fünf Jahre oder 150.000 Kilometer kostet extra und muss beim Kauf mitbestellt werden.
Bei der Batterie sind beide gleich: acht Jahre oder 160.000 Kilometer, mit der Zusage von mindestens 70 Prozent Restkapazität.
Wer das Auto lange behalten will, sollte diesen Punkt nicht kleinreden. Fünf Jahre zusätzliche Vollgarantie sind bei einem Fahrzeug mit Hochvoltnetz, Wärmepumpe und einem Dutzend Steuergeräten ein spürbarer Wert.
5. Steckdose an Bord: nur der Kia
Der EV3 beherrscht Vehicle-to-Load und gibt über einen Adapter 230-Volt-Strom nach außen ab – für Kühlbox, Werkzeug oder Beleuchtung beim Campen.
Der Elroq kann das in den Modelljahren 2025 und 2026 nicht. Škoda führt bidirektionales Laden erst mit Modelljahr 2027 ein. Wer die Funktion will und jetzt kauft oder abonniert, muss zum Kia greifen.
6. Kofferraum und Maße
Praktisch gleichauf: 460 Liter beim EV3 plus 25 Liter im Frunk unter der Fronthaube, 470 Liter beim Elroq, der bis 1.580 Liter erweiterbar ist. Der Elroq misst 4.488 Millimeter in der Länge bei 2.766 Millimetern Radstand.
Der Frunk des Kia ist klein, aber der bessere Ort für die Ladekabel als der Kofferraumboden – ein Detail, das im Alltag mehr ausmacht als die zehn Liter Differenz im Heck.
Tipps bei der Auswahl
- Lädst du überwiegend zu Hause? Dann zählt Reichweite, nicht Ladeleistung – der EV3 passt besser.
- Fährst du oft weite Strecken mit Zwischenstopp? Dann relativiert das schnellere Laden des Elroq den Reichweitenvorteil.
- Behältst du Autos lange? Die sieben Jahre Kia-Garantie sind das stärkste Argument im ganzen Vergleich.
- Brauchst du Allrad? Beim Kia gibt es ihn nur im teuren GT, beim Škoda in der regulären 85x.
- Willst du am Fahrzeug Strom entnehmen? Bis Modelljahr 2027 kann das nur der EV3.
Im Abo statt kaufen
Beide Modelle lassen sich im Auto-Abo fahren, ohne Anzahlung und ohne Restwertrisiko. Bei FINN stehen der Kia EV3 und der Škoda Elroq im Katalog; die Verfügbarkeit wechselt, ein Blick lohnt sich also mehrfach.
Wer kaufen will, kann beide Marken als Reimport anfragen – Kia und Škoda. Beim Kauf greift außerdem die staatliche Förderung, die es beim Abo nicht gibt.
Fazit
Der Kia EV3 ist das rundere Angebot: mehr Reichweite, günstigerer Einstiegspreis, Steckdose an Bord und eine Garantie, die den Rest der Klasse alt aussehen lässt. Wer zu Hause lädt und das Auto behalten will, braucht nicht weiter zu suchen.
Der Škoda Elroq gewinnt bei zwei Dingen, und die sind nicht nebensächlich: Er lädt spürbar schneller, und er treibt hinten an. Wer viel Langstrecke fährt oder Wert auf das Fahrverhalten legt, zahlt die 1.900 Euro Aufpreis und die kürzere Garantie bewusst.
Steht der Elroq ohnehin auf deiner Liste, lohnt vorher noch der Blick auf das größere Geschwistermodell: Elroq oder Enyaq unterscheiden sich fast nur im Kofferraum.